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Eine Katze erzählt

Die Aussichtswarte

Die Meinigen haben mir im Vorraum (bzw. Küche)eine wundervolle Aussichtswarte gebaut. Daß sie den Platz darunter als Dusche benutzen stört mich nicht weiter, denn wenn ich oben drauf sitze werde ich ja nicht naß. Ich mag es·wenn sie den warmen Regen anstellen, denn dann wird die Platte auf der ich sitze ganz warm. Mit diesem ganzen Umbau in der Küche bin ich überhaupt sehr zufrieden .. Da kann ich auf die Waschmaschine springen, von dort auf den Spiegelschrank und von dort auf die Dusche. Dann kann ich auf der Vorhangschiene bis zu dem Kasten gehen in dem sie alles mögliche chemisch stinkende Zeug aufbewahren. Von dort aus habe ich einen grandiosen Überblick. Es geht wirklich nichts über eine solche erhabene Position. Der Meinigen kann ich da genau auf die Finger schauen was sie in der Küche tut – das ist für mich meistens von allergrößtem Interesse – besonders wenn sie mit rohem Fleisch hantiert. Da steigt mir dieser angenehme Geruch sofort in die Nase und das ist so ein herrlicher Duft, daß ich mich vor lauter Wohlbehagen auf meinem Hochsitz hin und herwälze. Wenn sie das merkt (und daß sie es merkt dafür sorge ich schon – ) dann schneidet sie ein Stück von dem Fleisch ab und reicht es mir herauf. Aber mit Almosen gebe ich mich nicht zufrieden. Ich mache mich dann sofort mit Getöse auf den Weg nach unten und erkläre ihr daß sie so etwas Gutes mit mir zu teilen hat. Meistens ist sie dabei sehr einsichtig. Aber den Großteil behalten sie immer selber. Na gut – sie sind ja auch zu zweit und größer als ich – da brauchen sie mehr zu fressen – das kann man ja einsehen. Nur wenn sie mir gar nhcts abgeben, dann bin ich total eingeschnappt. 

Als ich noch sehr jung und sportlich war bin ich von meiner Aussichtwarte öfters quer über die ganze Küche hinübergesprungen auf die Küchenoberschränke. Da hab ich der Meinigen manchmal einen ganz gehörigen Schrecken eingejagt, wenn sie gerade daruntergestanden ist. War das ein Spaß!. Aber mittlerweile ist mir das zu riskant, ich bin mir nicht mehr sicher ob ich den Sprung so genau hinkriege, noch dazu wo der Landeplatz auf der anderen Seite so schmal ist. Eine Brücke quer drüber, das wäre halt super. Da hätte ich dann den ganzen Raum von oben aus erschlossen. Aber das kapieren die Menschen nicht. Sie selber sind ja, was das Klettern betrifft äußerst ungelenkig, was sich für mich manchmal als sehr vorteilhaft erweist. 

Wenn sie mit diesem Korb kommen, in den sie mich einpacken, besonders dann wenn es zum Tierarzt geht (diese ganze Tierarztgeschichte ist ein Kapitel für sich – davon ein andermal) oder sonst mit dem Auto gefahren wird (ich hasse das), dann mache ich mich sofort auf den Weg in die oberen Gefilde. Da müssen sie erst einen Stuhl holen oder eine Leiter, daß sie mich kriegen. Im Endeffekt nützt es mir meistens nichts, aber einen gewissen Zeitvorsprung hole ich schon heraus. 

Von diesem Hochsitz aus habe ich auch den besten Blick zur Eingangstür. Das ist besonders wichtig, wenn jemand Fremder kommt. Ich sehe ihn, aber er sieht mich nicht. Die Menschen sind in ihrem Gesichtfeld sehr eingeschränkt, es kommt keiner auf die Idee, nach oben zu schauen. Und außerdem könnte ja auch ein Hund hereinkommen. Mit Hunden ist das anders, die riechen mich und schauen dann zu mir rauf. Da kann ich dann aus gesicherter Position kräftig hinuntertauchen. Wie sie darauf reagieren weiß man vorher nie genau. Manche ziehen den Schwanz ein und verziehen sich sofort, manche werden ganz hysterisch und bellen wie verrückt, aber da oben kann ich darüber nur lachen. Hunde sind ja fürs Klettern völlig ungeeignet – bei denen ist es am besten sofort luftige Höhen zu erklimmen. Diese Erfahrung habe ich schon gemacht. (Mehr darüber bei meinen Parkerlebnissen) 

Ober der Eingangstor ist ein Fenster. Wenn dieses offen wäre könnte man mit einem geschickten Sprung das Fenstersims erreichen und dann nach draußen auf den Gang gelangen. Einmal ist mir das gelungen. Da hatten sie das Fenster offengelassen, weil sie an diese Möglichkeit nicht gedacht haben. Da habe ich dann das ganze Haus erkundet Ich wollte dann wieder nach hause in unsere Wohnung, aber es war wie verhext. 

Ich kenne doch unsere Wohnungstür! Aber es haben mir Leute geöffnet, die ich gar nicht gekannt habe. Da bin ich sofort wieder abgezischt, habe noch eine Rundgang gemacht und es dann wieder versucht. Dann war keiner daheim. Bei der nächsten Runde haben in unsere Wohnung Hunde gebellt. Ich kann das immer noch nicht richtig begreifen was da los war. Einmal hat mir ein Mann aufgemacht, der war sehr nett und hat mich in die Wohnung reinschauen lassen, aber drinnen hat es ganz anders ausgeschaut Ich bln dann von einem Stockwerk zum andern gegangen und hab gar nicht mehr gewußt , wo ich bin. Ganz unten habe ich dann ein offenes Fenster gefunden, da ging es raus in den Hof. Das mußte ich natürlich sofort nützen, es war sehr schön, sich in der Sonne zu wälzen. Dann habe ich den ganzen Hof inspiziert, wann bietet sich schon so eine Gelegenheit! Schließlich fand ich ein kleines offenes Fenster, wo ich sofort hineinsprang. Wenn es was Neues zu entdecken gibt, bin ich natürlich sofort dabei. Dort drinnen war es dunkel und muffig. Es gab jede Menge von Gängen, dunklen Löchern und Verstecke . Das habe ich alles erkundet und war dabei völlig ungestört. Als es mir langweilig wurde, wollte ich wieder zurück, aber ich fand den Weg nicht mehr. Ich lief hin und her und war schon ganz verzweifelt, bis ich dann zu einer Stiege kamm, die ich raufging .Oben war eine Tür wo unten Licht durchschien. Ich dachte, da könnte ich jetzt raus, aber ich kriegte diese Tür nicht auf. Da stand ich dann, ganz allein, von den Meinigen keine Spur und wußte nicht wo ich war und war eingesperrt. Also schrie ich so laut es ging. Nach einiger Zeit – für mich war es eine Ewigkeit – ging die Tür auf und die Meinige stand da und brachte mich nach hause. Es war eine sehr aufregendes Erlebnis, aber ich war sehr froh wieder daheimzusein und die Meinigen bei mir zu haben. Sie haben mich auch sehr lieb getröstet und gestreichelt. Aber seitdem ist das besagte Fenster immer zu. 

Besucher

Wir bekommen -zwar selten Besuch, aber es gibt schon einige Besucher, die ich kenne. Da ist zum Beispiel die Frau, zu der sie Mama sagen Für mich ist sie die „MITBRING-FRAU“ weil sie mir immer etwas mitbringt. Wenn sie kommt schaue ich meistens gleich in ihre Tasche, weil ich wissen möchte, was für mich dabei ist. Außerdem riechen ihre Schuhe so gut Sie hat nur einen Fehler: Sie setzt sich immer auf meinen Platz! 

Dann ist der Mann, zu dem sie Papa sagen. Der kommt selten_ Früher kam er immer mit der Mitbringfrau, dann kam er immer alleine und jetzt kommt er mit einer anderen Frau, die mir nichts mitbringt und außerdem noch nach anderen Katzen riecht. 

Dann sind noch die jungen Leute mit dem Hund. Sie kommen sehr selten und sie haben immer ihren großen schwarzen Hund mit. Aber das ist einer der sich nicht aus der Ruhe bringen läßt. Zuerst geht er immer durch die ganze Wohnung und muß alles beschnuppern und besabbern. Dann legt er sich unter den Couchtisch und ruht sich aus. Ich glaube, der ist schon aus Gewohnheit müde. Wenn er soweit ist, dann komme ich von meinem Hochsitz herunter und gehe schnurstracks zu meinem Sofaplatz, setze mich gemütlich hin und fixiere ihn. Aber das scheint ihn nicht zu stören. Den fauche ich auch nicht an, denn das wäre ihm sowieso egal. 

Dann war da noch der junge Mann, zu dem sie Christian sagten„ der früher sehr oft zu uns kam. Den habe ich sooo gerne gemocht. Der konnte ganz wundervoll streicheln und kraulen, da konnte ich gar nicht genug davon bekommen. Wenn der kam, ging ich sofort hin und setzte mich zu ihm. Aber jetzt habe ich ihn schon Ewigkeiten nicht mehr gesehen, wer weiß ob der noch lebt. Schade! 

Dann kamen noch Nachbarn auf Besuch, die waren sehr nett und wir besuchten sie auch öfters, diese Besuche habe ich immer sehr genossen. 

Das war alles in unserer „Wienzeit“. Heute, wo wir zum Großteil in Zwettl leben (oder auf der Reise) hat sich vieles geändert Da kommen soviele Leute auf Besuch, daß es zugeht wie in einem Taubenschlag. Wenn wir in Wien sind kommt nur mehr die Mitbringfrau und das auch nur selten. 

Burgenlanderlebnisse und andere Reisen

Früher verbrachten wir doch die meiste Zeit in Wien, aber das Herumgefahre liegt den Meinigen doch sehr im Blut. Wir bekamen damals öfters Besuch von dem Mann der Papa heißt und der Mitbringfrau, die mit den Meinen irgend wie verwandt sein dürften. Und mit denen fuhren wir ab und zu an einen Ort, den sie Burgenland nannten. Dort habe ich zum erstenmal eine Wiese kennengelernt. Was das für ein Gesumse und Gehopse war in dem Gras. Soviele verschiedene Fliegen! In unserer Wohnung habe ich immer gerne die Fliegen gefangen, das war eine sehr interessante Beschäftigung. Das versuchte ich hier natürlich auch. Aber das waren keine gewöhnlichen Fliegen! Ich sprang darauf los und schon brannte meine rechte Pfote wie Feuer! Das hat wehgetan! Ich hab es dann nochmal versucht, da erwischte es meine linke Pfote. Von da an war mir dieses ganze Viecherzeug in der Wiese höchst suspekt! Nur die ganz großen, die mit den großen weißen oder bunten Flügeln, die sind ungefährlich! Und sie schmecken auch ganz vorzüglich! 

Meine Leute haben mir eine Leine angelegt um mit mir draußen spazieren zu gehen. Die erste Leine habe ich mit einem kräftigen Sprung erledigt! Ist sofort abgerissen. Dann haben sie eine neue gekauft – eine Hundeleine – welch eine Schmach. Also gut so bin ich halt mit ihnen spazieren gegangen und habe sie durch den Garten geführt. Natürlich immer um die Bäume herum und möglichst durch ein Unterholz – sie sollen ja ihre Sportlichkeit nicht verlieren. Da war ihnen bald zu blöd, dann haben sie mich auch frei herumspazieren lassen, aber ich war immer unter Aufsicht. Das war höchst lästig. Wenn ich zum Zaun gegangen bin haben sie mich immer weggejagt, dabei wäre doch der Nachbarsgarten so interessant gewesen. Da waren Tiere dort die sahen aus wie Vögel, waren aber viel größer. Mit denen hätte ich zu gerne gespielt. Es ist mir dann auch tatsächlich gelungen auszubüchsen. Neben dem Zaun war ein niedriges Gebüsch und dort versteckte ich mich. Dann suchte ich nach einer Lücke im Zaun und kroch durch! Geschafft ! Auf der anderen Seite war ebenfalls ein Gebüsch . Dort blieb ich und ließ die großen Vögel so langsam an mich herankommen. Sie waren zu viert und kamen immer näher. Als sie schon fast zum Greifen nahe waren, sprang ich aus meinem Versteck hervor! Na das war ein Geschrei und ein Gegackere! Sie rannten davon und versuchten sogar zu fliegen, aber da sind sie zu ungeschickt dazu! Federn und Grasbüschel flogen durch die Luft und sie rannten und rannten und ich hinterdrein. Dann kam eine Frau aus dem Haus und auch die gackerte mit und machte eine gewaltigen Lärm und jagte mich! Also so eine Gemeinheit, ich hätte doch nur spielen wollen! Ich habe dann natürlich den Rückzug angetreten und bin nach hause. Aber meine Neugier war noch nicht restlos gestillt. In der Nacht, so gegen morgen machte ich mich im Haus auf die Suche nach einer Ausbruchsmöglichkeit. Und tatsächlich – das Klofenster war offen. Ich natürlich flugs hinaus und auf Abenteuer! Sofort ging ich zum Nachbarn und suchte die großen Vögel (heute weiß ich, daß das Hühner waren) Sie waren aber in dem ganzen großen Garten nicht zu finden. Also dachte ich, müssen sie im Haus sein. Ein Kellerfenster war offen und ich sprang hinein. Da landete ich mitten unter den 

Hühnern! Na das gab einen Radau! Das war noch viel schlimmer als am Nachmittag! Und die Frau kam wieder und jagte mich mit einem Besen davon! Als ich bei der Vordertür um Einlaß schrie, da hat die Meinige nicht schlecht gestaunt, daß ich von draußen reinkam. Ab nächsten Tag war es dann vorbei mit den Ausflügen zum Nachbarn. Da waren aufeinmal so große weiße Tiere im Nachbargarten, die jedesmal, wenn ich mich dem Zaun näherte, auch alle z“um Zaun liefen und mich angafften . Und dann sagten sie immer „Mäh, mäh“. Sie waren mir nicht geheuer und außerdem waren es zuviele.

Einmal waren die Leute mit dem Hund auch mit uns im Burgenland, aber das war gemein, weil der Hund in den Garten durfte und ich fast immer eingesperrt wurde.